Zukunft des Bauens - Im Interview mit Michael Sandbichler

  • Zukunft des Bauens

Michael Sandbichler wurde 1995 in Rosenheim geboren. An der Universität Regensburg (IREBS) schloss er den Studiengang Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Immobilienwirtschaft erfolgreich mit dem Bachelor of Science ab. Berufsbegleitend schloss er einen MBA in Internationales Immobilienmanagement an der Akademie der Hochschule Biberach an. Aktuell ist er als Projektleiter und Prokurist der Projektentwicklung bei der Quest Baukultur GmbH in Rosenheim tätig.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie und Ihre KollegInnen bei der täglichen Arbeit? 

Das ist in der Projektentwicklung tatsächlich ein sehr weites Spektrum. Wie viele andere Unternehmen in der Branche, haben auch wir mit Lieferengpässen und Mehrkosten aufgrund der enormen Preissteigerungen zu kämpfen. Da in der Planungs- und Ausschreibungsphase Fehler passieren, kommt es auch immer wieder zu hohen Nachträgen, die die Baukosten zusätzlich belasten.
Die Grundstückspreise steigen außerdem rasant an und der Wettbewerb in der Region nimmt stark zu. Hinzu kommt, dass die Planungsprozesse in den Kommunen sehr lange dauern.

Welche Trends setzen sich in der Bau- bzw. Immobilienbranche Ihrer Meinung nach durch?

Holzbau bzw. ökologische Nachhaltigkeit von Materialien und Gebäuden allgemein sollten zwar keine Trends mehr sein, haben aber leider immer noch viel zu wenig Relevanz in der Entwicklung und beim Bau von Gebäuden. Dazu gehören u.a. auch die verstärkte Nutzung regionaler Wertschöpfungsketten und regenerativer sowie ökologischer Energiesysteme. Flächen müssen besser genutzt werden, dazu zählt zum einen mehr Geschosswohnungsbau, aber auch die Wohnflächen pro Person zu reduzieren, um eine höhere Flächeneffizienz realisieren zu können.

Bauzeiten werden in Zukunft hoffentlich durch mehr serielles Bauen und eine Vorfertigung in Modulen verkürzt, wodurch sich auch die Baukosten besser vorkalkulation lassen und weniger Schwankungen haben. Dazu ist außerdem eine durchgängige und vor allem praxisnahe BIM-Strategie von den Unternehmen aber auch den Behörden unumgänglich.

Was unterscheidet ein Bauprojekt in 15 Jahren von einem Projekt heute (Stand 2022)? 

In den Bauprojekten der Zukunft ist ein ökologisches Konzept und auch ein bestimmter Holzanteil Pflicht. Um die Bauzeiten auf ein Minimum zu verkürzen, werden Bauteile so weit es möglich ist bereits vorgefertigt.

Was ist Ihrer Ansicht nach wichtig, um ökologische und nachhaltige Lösungen im Baubereich für alle Beteiligten flächendeckend zugänglich und nutzbar zu machen? 

Wichtig wäre, meiner Ansicht nach, die Einführung eines CO2-Preises, wodurch die ökologische Bauweise zur konventionellen Bauweise preislich vergleichbar wird. Uns begegnen immer wieder Preisabsprachen oder angehende Monopolstellungen in der Holzindustrie, die dem Fortschritt im Holzbau schaden und damit regionale Lieferketten gefährden.
Universitäten, Hochschulen und Berufsschulen benötigen einen stärkeren Fokus bzw. mehr Schwerpunkte auf Holzbau. Der Gedanke einer nachhaltigen Projektentwicklung sollte frühestmöglich bei angehenden Architekt:innen und Bauingenieur:innen gesetzt werden.

Bedeutet Nachhaltigkeit bei Bau- und Immobilienprojekten gleich automatisch teurer? 

Dem Grunde nach schon, da sämtliche Baustoffe deutlich teurer sind als konventionelle Baustoffe. Beispielsweise im direkten Vergleich einer Gipskartonplatte mit rd. 3-4 €/qm gegenüber einer Lehmbauplatte ca. 35-40 €/qm.

Abseits der Digitalisierung: Welche Trends sollte jeder, der sich in der Bau- und Immobilienbranche bewegt kennen und beschäftigen? 

Ganz vorne dabei natürlich Nachhaltigkeit! Aber auch Themen, wie Demografie, Wanderungssalden und alternative Mobilität sollte man weiter verfolgen.

Sind digitale Innovation wirklich der Schlüssel zu einer wettbewerbsfähigen Bau- und Immobilienbranche? Wenn ja, warum?

Ja, denn nur dadurch sind Effizienzsteigerungen in den Branchen möglich!

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Die Baubranche befindet sich im Wandel. Noch sind viele Bereiche analog, ineffizient, veraltet oder nicht nachhaltig. Es gibt jedoch viel frischen Wind und es bewegt sich etwas - langsam aber sicher.

Doch wie sieht die Baubranche und das Bauen der Zukunft konkret aus? Welche Ansätze und Lösungen gibt es oder wird es geben? Woran wird geforscht und gearbeitet?

Im Rahmen der Interview-Serie “Zukunft des Bauens” werden spannende Persönlichkeiten aus der Bau- und Immobilienbranche vorgestellt und wichtige Fragen zum nachhaltigen Bauen, Baustoffe der Zukunft, Ressourcenreduzierung, Rückführung von Baustoffen, Digitalisierung auf der Baustelle, Trends, Technologien, Innovationen, (Neue) Arbeitsmethoden auf dem Bau, Konzepte/Planung zum Leben und Arbeiten in der Zukunft gestellt.

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